Künstlerhaus – Vom Haus zum Museum

Ich vermache mein Haus in der Rue de la Rochefoucauld 14 einschließlich des gesamten Inhalts: Gemälde, Zeichnungen, Kartons, usw., die Arbeit von fünfzig Jahren, sowie die ehemaligen Wohnräume, die früher von meinem Vater und meiner Mutter bewohnt wurden, dem Staat, […] mit der Auflage, diese Sammlung immer ‒ dies wäre mein sehnlichster Wunsch ‒ oder zumindest so lange wie möglich zu erhalten und den Gesamteindruck zu bewahren, damit die Arbeit und das Streben des Künstlers sichtbar wird.
Testament von Gustave Moreau vom 10. September 1897, Auszug

Gustave Moreau soll sich schon sehr früh Gedanken darüber gemacht haben, was nach seinem Tod mit seinem Werk geschehen würde. 1862, als er noch nicht bekannt war, schrieb er folgende Überlegung an den unteren Rand einer Skizze: „Heute Abend, am 24. Dezember 1862. Ich denke an meinen Tod und daran, was mit meinen armen kleinen Arbeiten und all den Kompositionen, die ich hier unermüdlich schaffe, passieren wird. Einzeln werden sie in Vergessenheit geraten; und als Ensemble vermitteln sie einen Überblick, über mein Kunstschaffen und die Umgebung, in der ich meinen Träumen nachhing.“

Gegen Ende seines Lebens und nach dem Tod seiner Nächsten kommt Gustave Moreau der Gedanke, ein Museum für sein Werk zu gründen. Das Projekt nimmt allmählich Form an und er bewahrt die meisten seiner Gemälde auf, arbeitet immer wieder daran und stapelt sie in dem kleinen Haus in der Rue de La Rochefoucauld. 1895 beschließt Moreau, vor Ort die weitläufigen Ateliers errichten zu lassen. Er beauftragt den Architekten Albert Lafon mit dem Bau. Er opfert sein Atelier und das zweite Geschoss des Hauses, um auf seinem Grundstück so viel Platz wie möglich zu schaffen. Er behält die Wohnung im ersten Stock, die voller Erinnerungen ist, und die entsprechenden Räume im Erdgeschoss. Im zweiten und dritten Stock werden riesige Ateliers mit nach Norden ausgerichteter Verglasung errichtet, die größtmöglichen Raum bieten. Vom zweiten Stock gelangt man über eine elegante Wendeltreppe in die dritte Etage. Moreau bereitete sein Museum schon ab 1896 vor: Er sortiert, wählt aus, setzt einen letzten Pinselstrich, vergrößert manche Werke, nimmt neue in Angriff… Das Museum ist als das „große Werk“ konzipiert, in dem alle Themen, mit denen er sich beschäftigt hatte, gegenwärtig sein sollten.

Vue du meuble à aquarelles dans l'atelier de Gustave Moreau au 3e étage du Musée Gustave Moreau