Die Ateliers

Vue de l'escalier de l'atelier de Gustave Moreau

Das Atelier im zweiten Stock wurde speziell für seine großformatigen Gemälde entworfen. Tyrtée chantant pendant le combat [Tyrtäus singt während des Kampfes] und Les Prétendants [Die Anwärter], die er schon sehr bald begonnen hatte, wurden Ende 1882 vergrößert, denn der Maler trug sich mit dem Gedanken, eine große Ausstellung für sein Werk zu organisieren. Retour des Argonautes [Rückkehr der Argonauten], dessen Komposition er schon vor 1885 festgelegt hatte, entstand um 1891 und wurde nach dem Bau der großen Ateliers vergrößert und 1897 überarbeitet. Für dieses Gemälde gibt es zahlreiche Zeichnungen von dem Schiff das von „allen Chimären der Jugend“ bevölkert wird. Neben den Gemälden, zu denen er unendlich viele Studien anfertigte, gibt es andere, die schnell ausgeführt und nicht überarbeitet wurden, wie Les Chimères [Die Chimären], das innerhalb von vier Monaten entstand (er hat es großteils als Zeichnung auf der Leinwand stehen gelassen) oder Moïse sauvé des eaux [Moses wird vor dem Ertrinken gerettet] aus dem Jahr 1893, das sich durch funkelndes Rot und Schwarz auszeichnet.

Vue de l'atelier de Gustave Moreau au 2e étage du Musée Gustave Moreau

Der erste Saal des großen Ateliers im dritten Stock wird von Jupiter et Sémélé [Jupiter und Semele] beherrscht, das 1895 für Léopold Goldschmidt ausgeführt und von Letzterem 1903 dem Museum übergeben wurde. Dieses faszinierende Werk, das auch vergrößert wurde, macht die zahlreichen Einflussquellen des Künstlers sichtbar. Dieses Meisterwerk kann mit der Skizze von 1889 oder mit der zweiten, einfacheren und monumentaleren Version verglichen werden, die vermutlich um 1894/95 für das zukünftige Museum angefertigt wurde. Anhand von verschiedenen Quellen schuf Gustave Moreau eine persönliche, wunderschöne Version des Mythos von Jupiter, der wie Apollon bartlos ist.

"Jupiter et Sémélé" de Gustave Moreau, Paris, Musée Gustave Moreau

Im zweiten Saal sieht man: L'enlèvement d'Europe [Die Entführung von Europa], Prométhée [Prometheus] und die rätselhaften Licornes [Einhörner] von 1888. Zu den berühmtesten Werken des Museums zählen zwei Kompositionen zum Thema Salomé, Salomé dansant [Tanzende Salomé] oder „tätowierte“ Salomé aufgrund der Verzierungen auf dem Körper der biblischen Tänzerin und L'Apparition [Die Erscheinung], ein ergreifendes Bild von der Hartnäckigkeit des Geistes  nach dem physischen Tod. Der Dichter, der aufklärende Held, ist auf Gustave Moreaus Gemälden in vielfacher Weise gegenwärtig. Die Hauptfigur des Polyptichons La Vie de l'Humanité [Die Geschichte der Menschheit] aus dem Jahr 1886 ist der die Tiere bezaubernde Orpheus, er befindet sich zwischen den biblischen Zyklen von Adam und Kain unter einem Bogenfeld, in dem ein blutender Christus dargestellt ist. Der Orphée sur la tombe d'Eurydice [Orpheus am Grab von Eurydike] präsentiert eindeutig autobiografische Anklänge, denn er entstand 1891, nach dem Tod seiner Freundin Alexandrine Dureux 1890. Die Natur spiegelt die Trauer wider, die Sonne geht am Horizont unter, die Bäume sind herbstlich rot gefärbt, der Baum, an den sich Orpheus lehnt, ist entzweigebrochen.

Vue de l'atelier de Gustave Moreau au 3e étage du Musée Gustave Moreau